Was passiert, wenn ehemalige (mutmaßliche) Bridgebetrüger wieder spielen?

Wie geht es mit (mutmaßlichen) Betrügern weiter?

Eine spannende Frage ist, wann die mittlerweile wieder spielberechtigten Doktoren (die bekanntlich wegen Betrugs von der WBF und dem DBV gesperrt wurden, wobei die Sperren vor Gericht aus formalen Gründen keinen Bestand hatte und über die Frage, ob betrogen wurde oder nicht, in keiner Instanz geurteilt wurde, zum Vorwurf und dem Prozess siehe hier) bei einem Turnier aufschlagen und wie ihnen dann die anderen Turnierteilnehmer begegnen werden.

In der Türkei gab es gerade eine ähnliche Situation, wie auf bridgewinners berichtet wurde:

Zwei Spieler (ein Spieler und sein permanenter Kiebitzer) wurde überführt, beim Bridge betrogen zu haben. Gegen sie wurde eine lebenslange Sperre verhängt. Hiergegen sind die Spieler gerichtlich vorgegangen und haben einen Teilerfolg erzielt: Zwar wurde zweifelsfrei vor Gericht nachgewiesen, dass sie betrogen haben, da die Sanktion aber keine Rechtsgrundlage hatte, musste das Strafmaß auf 6 Monate reduziert werden.

Betrogen sollen die Spieler dadurch haben, dass der Kiebitzer bem Spieler Information über die Blätter der Gegner signalisiert hat. Dabei habe der Spieler aktiv nach Farben gefragt und der Kiebitz ihm die Haltung in jeder nachgefragten Farbe übermittelt.

Bei dem Spieler handelt es sich um den bekanntesten türkischen Sponsor (also ein Spieler, der andere Spieler dafür bezahlt, in seinem Team zu spielen, was per se nicht verwerflich ist und neben Erfolgen auch dem Sponsor eine gute Möglichkeit zur Verbesserung des eigenen Spiels bietet).

Wenige Tage nach Ablauf der sechsmonatigen Sperre fand eine nationale Meisterschaft statt. Der Sponsor hat ein neues Team zusammengestellt. Zwei Spieler seines Teams wollten nicht mehr mit ihm spielen, es war aber anscheinend nicht schwierig, andere Teammitglieder zu finden. Die Bezahlung wurde entsprechend angepasst.  

Nun kann man sagen, dass ein verurteilter Spieler nach Ablauf seiner Sperre das Recht auf Reintegration hat, zumindest wenn es nicht droht, dass er rückfällig wird.

Der Unmut vieler Spieler richtet sich nun dagegen, dass die Sperre zu kurz war und dieser Spieler keinerlei Unrechtsbewusstsein gezeigt und sich nicht entschuldigt hat. Der Spieler soll im Gegenzug sogar dem türkischen Bridgeverband eine Klage angedroht haben, wenn dieser die Videos veröffentlichen sollte.

Was hat also die türkische Bridgeöffentlichkeit bei seinem ersten Turnier nach der Sperre (einer nationalen Meisterschaft) unternommen?

Die Antwort: Im wesentlichen anscheinend gar nichts.

Ich bin mal gespannt, was passiert, wenn die Doktoren wieder mitspielen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert